Dienstag, 30. September 2014

Mood Swings

Liebe Musketiere,

In unserer Wohnung wird (warmes) aWasser und Herd mit Gas betrieben. Mittlerweile ist das Anschließen der Gastanks kein Problem mehr, aber wie das nun mal so ist, gehen die Gastanks nun mal auch mal leer und man muss neue bestellen. Gesagt, getan.

Man sagte uns, der Gasmann würde uns Bescheid sagen, wann er kommt und dann können wir in der WG ausmachen, wer die Lieferung annimmt. Aber scheinbar ist das in Spanien nur eine Floskel!

Der Dienstagmorgen ist einer der wenigen Tage, an denen ich mal ausschlafen kann, aber es kam wie es kommen musste: Dieser Lieferant kam natürlich - wie könnte es anders sein - morgens irgendwann zwischen 7 und 8 und klingelte persistent an unserer Tür. Ich bin um diese frühe Uhrzeit noch nicht mal fähig irgendeine Konversation zu führen, geschweige denn spanisch zu sprechen, aber ich dachte meine Mitbewohner, die eh super früh aufstehen müssen, um bis nach Cartuja in die Berge jeden Morgen zu fahren, seien schon auf und könnten die Lieferung annehmen. Aber das Türklingeln hörte nicht auf, bis ich mich aus meinem Traume und aus dem Bett zwang, leicht orientierungslos zur Tür taumelte und in meiner "schönsten" Schlaf-Boxershorts und einem dünnen Top die Tür öffnete. Der Typ (kein Mann der großen Worte) schleppte die Gastanks in die Wohnung, nahm die leeren Tanks mit sich und verlangte dann natürlich für seine Lieferung Geld. Bargeld.


Ich hatte Glück, dass ich es noch genau passend hatte. Aber mal ehrlich: Ich bin es echt Leid. Als er weg war, sah ich mich um und Sung Yi war definitiv schon wach und angezogen und hätte ohne Probleme auch die Tür aufmachen können. Aber stattdessen hatte sie sich wohl entschlossen, das Klingeln zu ignorieren und sich in aller Ruhe ein Butterbrot zu schmieren. ERNSTHAFT????
Was zur Hölle?! Weiß sie nicht, wie man die Tür öffnet?

Ich bin gerade sehr müde und angepisst. Eigentlich habe ich sehr liebe Mitbewohner, aber sowas find ich irgendwie ein wenig zum Kotzen.

Zu dem habe ich feststellen müssen, dass das Wasser hier meine Haare sehr seltsam macht, es sei denn ich wasche mit kaltem Wasser, dann strahlen sie besonders schön... Ich weiß nicht wieso, aber naja kalt Haare waschen geht ja noch.
----
Ein paar Stunden später:

Ich habe einen Kurs mit einem echt freakigen Typen. Er ist einer dieser Frickel wie aus Germersheim, wenn ihr wisst, was für Typen ich meine... Erst hat er mir und einer Freundin erzählt, dass eine der Dozentinnen wohl echt fies sei und wir den Parallelkurs nehmen sollen. Und kaum tue ich das, weil ich mir denke, "vielleicht hat er ja recht...", sitzt er auch schon neben mir und strahlt mich an. Irgendwie habe ich jetzt leicht Angst, dass er ein kleiner Soziopath ist... Aber ich muss den Kurs vermutlich eh abgeben, weil der Dozent zwar nett, aber bestimmt gemeint hat, dass der Kurs für Erasmus-Leute sehr schwierig ist.

Ich komme gerade von einem Tapas-Treffen mit den Erasmus-Leuten, lauter Franzosen waren da. Die Franzosen sprechen nicht gern englisch, manche nicht mal gern spanisch... und so bleiben sie oft unter sich. Sie forderten mich auf Französisch zu sprechen. Ich sagte einen Satz und alle waren total begeistert von meiner Aussprache. Es klinge überhaupt nicht deutsch... Ich denke ich bin etwas rot geworden.
Der Franzose Sue war übrigens auch da und er ist immer noch sehr interessiert an mir, was ich ehrlich gesagt nicht verstehen kann. Ich frage mich, ob er sich bewusst ist, dass ich so wenig bis gar nicht bei Facebook antworte, weil ich kein Interesse habe. Vielleicht denkt er, es ist die Sprachbarriere....? Oder vielleicht machen die Französinnen gerne auf unnahbar, aber unter uns Deutschen heißt das eher: Wenn nichts erwidert wird, besteht auch kein Interesse. Er hat extra gefragt, ob ich heute hinkomme, aber als ich Thomas zu dem Treffen mitbrachte, hat Sue übelst eifersüchtig geschaut. Ich bin nicht lange geblieben, mir tat mein Hals wieder ein bisschen weh. Und so sitze ich gerade wieder hier und schreibe.


Ich habe den Text gerade nochmal gelesen...Und muss leider sagen: Ich beschwere mich ganz schön viel... Tut mir leid. Eigentlich ist mein Aufenthalt gar nicht so doof. Ich habe Freunde, ich habe einen netten Buddy, ich habe gute Dozenten und nette Mitbewohner. Granada ist wunderschön und ich esse gerade Schoko-Crêpes. Also an sich läuft alles ziemlich gut. Aber die Dinge, die ich hier schreibe, können halt nicht nur von tollen Dingen handeln. Die Doofen bleiben länger im Gedächtnis und sind meist auch lustiger zu erzählen, sagt mir, wenn ich mich zu viel beschwere, dann werde ich mich, um ein paar heitere Stories bemühen.

Montag, 29. September 2014

The Right to Not give a Fuck

Liebe Musketiere,

Montag ist einer meiner längsten Unitage überhaupt... von 9- 18Uhr durchgehend mit nur einer Stunde Pause. Ich erinnere daran, dass meine Kurse 2h dauern. In Französisch haben wir über die droits de l'homme [Menschenrechte] gesprochen und mir ist erst jetzt bewusst geworden, wie viel wir als Menschen schon erreicht haben. Aber leider musste ich auch feststellen, dass Länder wie China und die USA keine Menschenrechtscharta unterzeichnet haben bzw. sich der Wirksamkeit der Wahrung der Menschenrechte immer noch erfolgreich entziehen. Und das schlimmste daran ist, dass Länder wie die USA die Wahrung der Menschenrechte als Vorwand missbraucht, um Kriege anzuzetteln, die angeblich gegen Terrorismus gehen, aber bei denen man genau weiß, dass der Drang nach Ressourcen größer ist als der nach Gerechtigkeit. Ein Land, dass die Menschenrechtscharta nicht oder nur in Teilen anerkennt oder sie nach eigenem Belieben missachtet, wie die USA sollte nicht so viel Macht in der Welt haben. Das ist gefährlich.

Danach verlief mein Tag eher langsam und zäh. Ich habe zwar sehr nette Dozenten, aber die reizen die vollen 2h wirklich bis auf die letzte Sekunde aus. Du hörst meist schon nach 40 Minuten nicht mehr zu, noch kürzer, wenn der Redner langweilig ist. Trotzdem wirst du mental ganze zwei Stunden bis aufs Äußerste gefordert. Nach fast jedem Tag bisher tat mir ein wenig der Kopf weh. Manchmal ist es einfach etwas zu viel. Besonders, weil mich die Umwandlung von Deutsch in Spanisch noch etwas zu sehr anstrengt. Aber ich merke bereits, dass es besser geworden ist. Besonders, weil ich mich an den Dialekt hier gewöhnt habe. Aber die Spanier hier schlucken gerne mal das S, dann wird aus "¿Cuánto cuesta?" mal ganz schnell "¿Cuánto cue'ta?". Überhaupt nicht verwirrend oder so.... und wie die Pfälzer sprechen sie auch nicht deutlich, versuchen auch gar nicht die Hochsprache zu wählen, sondern wiederholen das Gesagte einfach genauso bis dein Gehirn sich den Inhalt zusammenreimt. Oder du alles falsch verstehst.



Nach vielen langen Kursstunden, wollte ich eigentlich direkt nach Hause, aber eine Deutsche (aus Bayern) sprach mich an, ob wir was zusammen machen wollten. Ich sah zunächst keinen Grund, warum nicht, also sagte ich zu. Aber es gibt so manche Menschen, die fangen nach einer Weile an, dich zu nerven. Und leider muss ich sagen, war dieses Mädchen so eine. Es begann damit, dass sie mich ständig dazu überreden wollte, einen Kurs zu nehmen, den ich nicht brauchte. Dann wollte sie, dass ich dahin gehe und ihr erzähle, was im Kurs passiert ist, weil sie einen Termin habe, um sich ihre Nägel machen zu lassen. Und sie war Vegetarierin und ein Öko (und ihr wisst ja, wie sehr ich das liebe, wenn man mir seine Ansichten aufbinden will). Und scheinbar hatte sie megamäßigen Liebeskummer, denn sie wollte einfach nicht aufhören, von diesem einen Typen zu quatschen. All dieses Geblubber erschien mir so oberflächlich und unnötig. Von keinerlei Relevanz für mein Leben. Wen interessiert schon, ob die Nägel gemacht sind? Sind es wirklich die Tiere, die nicht gegessen werden, um die wir uns Sorgen machen müssen oder um die, die einfach nur so getötet werden bzw. die für Leder ihr Fell lassen müssen? Ihr Drang nach Schönheit stand einfach in Konflikt mit ihren Überzeugungen und zwischen drin kam stehts wieder ihr Ex-Lover auf.
Ich konnte das populistische Geblubber über die Umwelt und das Wehklagens ihres Liebeskummers nach so einem langen Tag einfach nicht mehr ertragen. Also erfand ich irgendwas und flüchtete so schnell wie ich konnte.Vielleicht macht mich das zu einem schlechten Menschen, aber heute war es das wert... Ich brauchte einfach meine Ruhe. Tut mir leid.

The sweet escape

Man könnte sagen, ich habe von meinem Recht auf Privatsphäre und Frieden Gebrauch gemacht.

Zu hause habe ich gegessen und noch ein wenig Laptop Klub mit meinen Mitbewohnerinnen gemacht. Ich habe Texte übersetzt und jetzt gehe ich schlafen.


Sonntag, 28. September 2014

When it rains, it pours.


Liebe Musketiere,

Eigentlich hatte ich heute viel geplant. Sonntags haben zwar keine Geschäfte auf, aber es gibt trotzdem immer was zu tun. Neben Unikram (die ersten Übersetzungen des Semesters) wollte ich mich ein wenig in den Park chillen oder ein wenig Granada entdecken.

Aber meine Versuche scheiterten an zwei Dingen:
Nummer 1 sind die sonntäglichen Kirchgänger, die adrett und elegant aufgestylt durch die Stadt laufen und dich mit ihren Blicken förmlich durchbohren. Wie konnte ich es bloß wagen. ein T-Shirt und eine kurze Hose an einem Sonntag zu tragen?? Welch Skandal! Diese entblößten Knie! Und dieser unflätige Aufdruck eines Kussmundes auf meinem T-Shirt! Und rotes Haar dazu! Verbrennt diese Ketzerin!

Nummer 2 war ein nichtendenwollender Regenguss, der mich innerhalb von Sekunden durchtränkte, mich zur Heimkehr zwang und dort für den Rest des Tages festhielt.

http://25.media.tumblr.com/19ce9b58e2471127270ae19713cee419/tumblr_n1h4839bkD1sq9yswo3_500.gif
http://25.media.tumblr.com/d7c258cac839512b16e3d05acac905ef/tumblr_n1h4839bkD1sq9yswo2_500.gif
http://24.media.tumblr.com/5e7d8989b570522c1bed9662ecb891fc/tumblr_n1h4839bkD1sq9yswo4_500.gif

Zunächst wartete ich geduldig darauf, dass der Regen aufhörte, aber es hat bis jetzt immer noch nicht aufgehört. Herbst ist hier wohl wie die Sintflut...Vielleicht ist das meine Strafe für unangemessene Kleidung an einem Sonntag!

Ich habe also den restlichen Tag mit spanischen Serien und Übersetzungen verbracht. Hoffentlich war euer Tag produktiver.


P.S.: Und meine Wäsche ist immer noch nicht trocken... Es ist wie ein Horrorfilm:
 The Towel that never dried!!!! DAM DAM DAAAAAAAAAAAAAM!!!

Samstag, 27. September 2014

Finding inner peace

Liebe Musketiere,


Ich war heute so entsetzlich zappelig. Es hatte damit zu tun, dass seit wir eingezogen sind, noch nicht einmal geputzt worden war. Alles, was ich sah, war Dreck und Krümel. Im Bad Kalk, Haare und Geschmier von Seife. Und es machte mich verrückt. Ich ekelte mich auch irgendwie.

Normalerweise bin ich wirklich keine gute Hausfrau und kann Chaos und Schmutz für eine gute Weile erfolgreich ignorieren, aber diesmal blieb mir keine andere Wahl. Heute sprach ich das Thema mit meinen Mitbewohnern an und sie sahen es scheinbar genauso. Wir machten uns auf zu den China-Shops, um billige Putzmittel zu ergattern. (Da die, die wir da hatten, so alt wie Moses zu sein schienen...) Leider hatten wir nicht kalkuliert, dass der Rest der Welt Siesta hielt.

Ich sags Euch, es ist wirklich nervig. Du kannst nichts kaufen oder tun, alle Läden haben zu und alle Spanier schauen dich an, als würden sie sagen: "Ach wie putzig, dachtest du, du könntest einkaufen?  Du musst noch viel lernen, junger Padawan!". Also kehrten wir unverrichteter Dinge zurück.

Siesta dauert einfach zu lange (13-17 Uhr). Das sind vier gute Stunden, die vielleicht im Sommer nicht genutzt werden können, weils definitiv zu heiß ist. Die aber im Winter absolut überflüssig sind. Es ist angenehm warm, aber nicht tödlich heiß, also öffnet eure Scheißläden und gebt mir gefälligst, was ich brauche!

Thomas lud uns ein zu einer Art China-Workshops im Parque las Ciencias. Die Workshops waren gratis, das war echt ziemlich gut und eine geniale Ablenkung zum Schmutz, der in der Wohnung auf mich wartete.
Wir probierten Kaligraphie aus und machten Tai Chi.

Tai-Chi war sowohl entspannend als auch krass anstrengend. Es fiel mir wirklich schwer, in einer Welt, die sich für mich so rasend schnell bewegt, still und langsam zu bleiben. Die Bewegungen waren geschmeidig und forderten Konzentration. Die Lehrerin sagte: "Konzentriert euch nur aufs Atmen, eurer Kopf ist leer." Und prompt rasten meine Gedanken:

Wie konzentriert man sich aufs Atmen? Hoffentlich kann sie keine Gedanken lesen und merkt, dass ich unfähig bin. Wenn ich nicht richtig atme, sabotiere ich die Übung? Okay, Vanessa, konzentrier dich... Wenn du es schon nicht aufs Atmen kannst, dann auf deinen Vordermann. Schickes Oberteil. Ich mag Punkte. Vielleicht kann ich die Punkte zählen, das könnte doch auch entspannend sein. 1, 2, 3, 4,...Bis wie hoch muss ich zählen, dass die Entspannung eintritt? Ist das wie mit Sternchen zählen? Wie viel Sterne gibt es eigentlich? Könnte man die wirklich zählen? Sind Sterne nicht nur letzte Strahlen von Sternen, die an sich schon lange verlöscht sind...? Also vielleicht lieber die Sternbilder zählen... Wie viele sind das? Oh warte! Verschwinden die auch irgendwann? Egal! Da kannste dich später drum kümmern! Also... da sind der kleine und große Wagen, der Orion und Sirius... Das sind 4...was noch? Ach ja klar die Sternzeichen...Hm... ich bin Widder. Vielleicht kann ich mich deswegen nicht konzentrieren. Ja möglich wär's. Ich meine bestimmte Sternzeichen haben bestimmte Charakterzüge... Ach näääh...Das ist wie dieses Mein-Hund-hat-die-Hausaufgaben-gefressen. Aber wie cool wäre es, wenn du sagst: Hey ich habe das und das Sternzeichen, also kann ich keine Hausaufgaben erledigen. Aber habe ich jemals wiiiirklich Hausaufgaben gemacht? Hätte ich es vielleicht tun sollen? Könnte ich mich dann konzentrieren? 

 
Just like I said: Wild Brain Gibberish. (0:50)

Und das war nur ein kleiner Ausschnitt einer seeeehr langen Gedankenkette. Vermutlich wäre Tai Chi gut für mich, schließlich fühlte sich mein Körper danach sehr leicht an. Aber mein Geist war so aufgekratzt wie noch nie. Die Übungen hatten zwar was entschleunigendes, aber es reicht einfach nicht für meinen Geist und das fühlte sich dann noch unbefriedigender an, als ich erwartet hatte.

Danach war es endlich nach 17 Uhr und wir konnten einen zweiten Versuch starten, einkaufen zu gehen. Für insgesamt 8 Euro konnte ich mich mit allen nötigen Putzmitteln (+Schwämmchen) ausstatten. Diese China Shops sind wirklich was tolles. Ich kam nach Hause und fing sofort an.

Ich zögerte nicht und ich dachte nicht nach. Die Zeit ging super schnell rum. Ich glaube, dass mein Kopf noch nie so leer gewesen war. Ich habe vielleicht ein wenig dabei gesummt. Aber falls ja, kann ich mich auch nicht an den Song erinnern. Wirklich das war Entspannung pur. Und danach glänzte alles wieder und ich erfreute mich daran.

Ich bin wirklich kein Putzteufel, aber wenn ich wirklich das Bedürfnis nach Sauberkeit habe, wird das ohne lang zu Murren erledigt. Kommt mir jetzt nicht mit "Hey, kannst bei meinem Bad weiter machen!" Das wird nicht funktionieren. Ich finde es hat etwas therapeutisches den eigenen Schmutz aufzuräumen bzw. zu reinigen, weil  man das Gefühl hat sich selbst gleich mitzuordnen oder den "Teer" von der Seele zu waschen.

Am Ende des Tages war meine Wäsche fertig und die Wohnung strahlte in neuem Glanz. Ich aß Schokopudding und musste wirklich über mein Verhalten schmunzeln.

Freitag, 26. September 2014

Un Dragueur en Espagne

*Dragueur =Aufreißer, wörtlich: Anbaggerer 

 Liebe Musketiere,


Ich feiere definitiv zu lange... Ich bin heute wieder erst so gegen 15 Uhr aufgewacht...
Irgendwie ist der Tag dann schon so weit fortgeschritten, dass sich nichts mehr wirklich mit ihm anfangen lässt. Ich habe also im Grunde nur meine Wäsche gemacht und Serien geschaut.

Später schrieb mir Mélina, ob wir etwas trinken gehen wollen und ich sagte zu, weil es mir zu gammelig vorkam, den Tag lang nix wirklich sinnvolles getan zu haben. Wir gingen in eine Bar mit Ausstellung, aber es war sehr seltsam, denn es waren nur Bilder mit krass expliziten, sexuellen Inhalten... Und da saßen wir dann und aßen Tapas. Irgendwie seltsam, aber immerhin sorgten die Bilder für Gesprächsstoff. Und scheinbar waren wir in einer der angesagtesten Bars in Granada, denn die Spanier tummelten sich. Da Mélina Französin ist, entschieden wir uns irgendwann auf Französisch zu reden, aber ich habe so viel vergessen, dass ich zwar so grob alles inhaltlich verstehen konnte, aber beim Sprechen ein solcher Stümper war, dass manchmal es echt peinlich war. Ich verwechselte französische Worte mit spanischen oder baute Konstruktionen, die nur im Spanischen oder Englischen funktionieren, aber nicht im Französischen. Aber Mélina verstand und korrigierte mich geduldig. Ich werde jetzt öfter versuchen Französisch zu sprechen, ich habe gemerkt, wie sehr ich die Sprache vermisst habe.

Nach einer guten Weile lustiger französischer Unterhaltung, kam ein Typ zu uns an den Tisch und meinte, wir sollten uns nach draußen setzen, wenn wir französisch sprechen wollten, dass wir das nicht drinnen machen könnten. Ich war verwirrt und dachte, er möge wohl keine Franzosen. Also fragte ich "Pourquoi?" (Warum). Er antwortete mir auf französisch, dass er draußen mit ein paar Kumpels sitze, die auch Französisch sprechen. Aha, und? Ich blickte verständnislos zu Mélina. Das war wohl ein Anmachversuch. Sie antwortete ihm, dass wir zwar französisch sprechen, aber dass ich Deutsche sei. Daraufhin sagte er, dass gleich auch noch Freunde von ihm kommen, die deutsch sprechen. Ehm ja... Und die Anmache galt scheinbar mir. Aber wir hatten eh gerade vor zu zahlen, also lehnten wir die Einladung dankend ab und liefen noch eine Weile in Granada herum.

Es begann zu regnen. Aber diesmal wirklich. Es war kein kurzweiliges Nieseln, sondern ein guter Regenguss. Il pleut comme une vache qui pisse. [Es regnet (so stark) wie eine pissende Kuh.]




Genial, dass ich ausgerechnet heute meine Wäsche draußen aufgehangen habe... Murphy's Law schätze ich...

Aber ich will mich gar nicht übers Wetter beschweren, denn es muss auch mal regnen damit der Sonnenschein bleibt. Ich meine sonst sind immer noch gute 25 Grad tagsüber. Jetzt gerade selbstverständlich nicht, aber es ist ja auch mitten in der Nacht.

Also entschlossen wir uns kurzerhand noch zu Mélina nach Hause zu gehen. Dort haben wir ein paar Kartenspiele gespielt. Ich kann jetzt sogar einen Kartentrick! Wir verabschiedeten uns, aber verabschieden ist auch immer mit ein paar kulturellen Schwierigkeiten verbunden... Ich hasse diese Küsschen...!! Ich weiß ich bin albern, aber mir erscheint das so schwachsinnig. Aber dafür habe ich erfahren, dass für Franzosen Umarmungen wohl absolut unüblich sind. Viel zu nah! Aber Küsschen wahren die Distanz(?).

Ich werde mich vielleicht irgendwann noch an diese Küsschen gewöhnen...

Donnerstag, 25. September 2014

Erotic Massages & Botellón

Liebes Toast, liebe Koneko,

Ich hätte einen Vorschlag was die Namen betrifft: Wie wärs mit den Drei Musketieren: Athos, Porthos und Aramis. (+ D'Artagnon, falls Flâneur irgendwann auch einsteigen will^^).

Ein weiterer langer langer Unitag.
Es ist seltsam, ich weiß nicht, ob ich euch von den Kursen erzählen soll... An sich gibt es da nichts großartiges zu erzählen: Ich mache einen Kurs Französisch, viele viele Übersetzungskurse und einen spanischen Sprachkurs.
Gerade fühlt sich mein Kopf etwas voll an. Es strengt an immer jeweils zwei Stunden zuzuhören, aber noch mehr strengt es an, auf Spanisch zu denken, konzentriert zuzuhören oder zu sprechen. Es ist als würdest du nicht zur Ruhe kommen. Aber momentan bin ich noch in meinem Streber-Mode. Ich beteilige mich in den Kursen und habe einen Tandem-Partner gefunden. Allerdings hält mein Streber-Mode immer nur bis maximal Ende Oktober, danach wirds schwieriger den inneren Schweinehund zu besiegen...

Nachdem ich eure Posts über eure vielen Societies gelesen habe, habe ich mal nachgeforscht, was es an unserer Uni alles so gibt.

Unser Sportanbot ist ziemlich krass, denn die Uni Granada hat sogar eine Sport-Fakultät (Und wenn die nicht weit oben in den Bergen des Stadtteils Cartuja liegen würde, würde ich vielleicht gelegentlich mal vorbei schauen, um mir ein paar durchtrainierte Körper anzusehen haha).

Man kann die üblichen Sportarten machen (Fußball, Basketball, Badminton etc.), aber dazu kommen dann die High-Society-Sportarten (Fechten, Segeln, Tauchen, Tennis, etc.). Es gibt eine Reihe an Tanz und Fitnesskursen, sowie die üblichen Entspannungskurse Pilates, Yoga etc. Was mich aber wirklich amüsiert hat, war ein Kurs für Erotik-Massagen! Die Kursbeschreibung war schon allein zu herrlich! Man könne dort die Kunst der Verführung lernen und man könne sich bei intimen Fragen an die Sexualtherapeutin und Sex-Expertin wenden. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie das ablaufen soll, ohne dass alle total peinlich berührt darum sitzen und wie unangenehm es sein muss, wenn irgendwer, den du nicht kennst, dir eine erotische Massage gibt. (Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser jemand attraktiv ist, ist ja schließlich nicht immer hoch...).

Ich habe mir überlegt vielleicht Streetdance oder Bogenschießen zu machen, aber leider ist jeder dieser Kurse unheimlich teuer... Ich muss mal schauen, ob ich mir sowas leisten kann für ein Semester...

Theater haben die zwar auch hier, aber leider kein Improtheater und an normalem Theater habe ich glaube ich wenig Interesse. Das ist mir zu viel auswendig lernen neben dem normalen Lernen für die Uni. Ich will Spaß und keinen Stress.

An der A-Boy-named-Sue-Front gibt es Neuigkeiten: Er schreibt mir gerne bei Facebook haha und er nennt mich "Chupi". Ich schätze, das war irgendein Witz von einem Abend, aber ich habe keine Ahnung mehr, was das bedeutet... Mein Gehirn filtert echt ganz schön... Er tut mir ein bisschen leid, weil ich so desinteressiert bin, aber ich bin jemand, der direkte Anziehungskraft überhaupt nicht nachvollziehen kann. Ich brauche eine Ewigkeit, bis ich jemanden als echten Freund anerkenne (Erinnerst du dich Toast, wie awkward es war, als du mich zu Beginn unseres Kennenlernens umarmen wolltest und ich darauf gar nicht recht reagieren konnte?) und wenn ich jemandes Charakter nicht kenne, könnte ich mich niemals verlieben.

Meine Mitbewohnerin, Mahé und ich gingen am Abend noch aus. Wir wollten uns mit Thomas, seinem spanischen Freund und dessen Freunden zu einem typisch-spanischen Ritual-Treffen: Dem Botellón.
In Granada gibt es dafür extra einen zugewiesenen Platz: Dem Botellodromo!!



Es war Wahnsinn, ich habe noch nie so viele Menschen auf einem Haufen gesehen, bepackt mit Alkohol. Sie kamen erst langsam gegen 23 Uhr zum Parkplatz, gegen 23:10 wurde es voller und gegen 23.30 war der gesamte Parkplatz überfüllt mit Menschen. Sie tranken, lachten, unterhielten sich lautstark, tanzten zur Musik, die aus den geparkten Autos schallte.
Für mich war es, als wäre man in eine andere Welt eingetaucht. Nichts zählt außer der Moment. Man amüsiert sich wirklich ohne ans Morgen zu denken. Manchmal werde ich das Gefühl nicht los, das hängt damit zusammen, dass die Jugend hier kaum eine Zukunft sieht...Aber dann denke ich mir wieder, dass ich an alles vielleicht viel zu negativ herangehe...
Es ist im Grunde wie Vorglühen aber auf einem an sich schäbigen Parkplatz hinter dem Hipercor (dem Superhelden unter den Supermärkten ;) ). Und zunächst stellst du wirklich alles in Frage. Warum trinken die Jugendlichen und Studenten gerne wie Penner auf der Straße? Warum sind die Mädels so absolut sexy aufgemacht nur für den Aufenthalt auf einem Parkplatz? Warum sind so viele Menschen auf einem Haufen und geben den Anschein von Kontaktknüpfung, aber bleiben doch in ihren Grüppchen und könnten genauso gut zuhause vortrinken, weil sie nur in seltenen Fällen andere kennenlernen, außer die mit denen sie gekommen sind?

Aber man muss einfach die Regeln akzeptieren und sich ohne groß Nachzufragen darauf einlassen und es öffnet sich einem das Gefühl von Coolness, weil alle am gleichen Ort feiern und von Ausgelassenheit, weil es immer Leute gibt, die besoffener sind als du. Man unterhält sich und ist so verwirrt von dem Konzept an sich, dass es einen auch irgendwie fasziniert.

Wie bereits gesagt, wollten Mahé und ich Thomas und seine Leute treffen, aber sie zu finden, war gar nicht so einfach, dafür trafen wir Mélina(Französin), Lydia (Irin) und ihren Kumpel aus Irland, Matthew, der zu Besuch war. Später kam Shauna, eine weitere Irin, dazu. Schließlich fanden wir in dem Gewirr von Menschen auch Thomas und seine Truppe. Mahé und Mélina hatten nach einer Weile keine große Lust mehr und sie gingen nach Hause (ok es war auch schon gegen 2Uhr). Aber wir blieben bis um 3 oder halb 4 beim Botellodromo und gingen danach noch tanzen bis um 6Uhr früh. Es war so ein genialer Abend. Spanische Leidenschaft für Tanz und den Genuss des Lebens. Ich habe auch ein paar Spanier kennengelernt.

 Ich würde sagen, heute war ein guter Tag.

Mittwoch, 24. September 2014

Different language, different me?

Liebes Toast, Liebe Koneko,

Ich hatte heute lange Uni bis um 18Uhr und ich musste unglücklicherweise feststellen, dass fast jeder Dozent eine Online-Plattform benutzt. Aber um Zugang als Erasmus-Student zu einer solchen Plattform zu kriegen, muss man einen Termin beim Büro für Asuntos Internationales der Uni ausmachen und siehe da: sie sind bis zum 9. Oktober ausgebucht. Und meine Dozenten erwarten aber, dass ich Texte aus der Online-Plattform herunterlade, ausdrucke und übersetze. Bis zu diesem Termin kriege ich aber auch keinen inoffiziellen Gastzugang oder sowas ähnliches. Ich bin also leicht aufgeschmissen. Wie gesagt die Organisation an spanischen Unis lässt etwas zu wünschen übrig... Ich habe meinen Dozenten dies mitgeteilt und sie gefragt ob es möglich sei, dass sie mir die Texte in der Zeit bis zum 9.Oktober per Email zukommen lassen. Aber das ist natürlich eine völlige Schnapsidee. Wie kann ich es wagen so etwas vorzuschlagen? Das würde ja mehr Arbeit bedeuten. Jetzt soll ich stattdessen zu irgendwelchen Mitstudierenden gehen und sie um ihre Zugangsdaten anbetteln (was natürlich kaum einer tun wird, wenn sie mich nicht kennen) oder sie fragen, ob sie mir die Datei per Email schicken können (eine eher wahrscheinlichere Lösung, aber trotzdem umständlich, weil nicht nur ich als Einzige dieses Problem habe, sondern fast alle Erasmus-Studenten und jetzt muss sich jeder von ihnen einen E-mail Partner suchen.)

Ich habe mir übrigens eine Strategie überlegt mich ein wenig an die Spanier anzunähern. Da die Spanier oft lieber unter sich bleiben, weil natürliche viele Erasmus-Leute (wie ich) die Sprache nicht so gut beherrschen wie ein Muttersprachler. Deswegen habe ich mir gedacht, vielleicht kann ich sie auf andere Weise davon überzeugen, dass man zumindest sympathisch wirkt.


Und da spielt das Aussehen nun mal eine gewisse Rolle: Der erste Schritt ist schließlich der erste Eindruck und der geht Hand in Hand mit dem äußeren Erscheinungsbild. Die typischen Spanierinnen haben irgendwie alle ähnliche Frisuren (meist Haare aus dem Nacken - angemessen für das spanische Klima), gleiche Klamotten(weil sie irgendwie alle bei Stradivarius oder bei Zara kaufen) und bestimmte typisch spanische Gesten.

Wenn ich mich also dezent anpasse (nicht imitiere, aber vielleicht mehr Acht darauf gebe, was angemessen ist), wird es mir also vielleicht leichter fallen, mich den Spaniern anzunähern (so zumindest die Theorie).

Aber keine Sorge, ich bin immer noch ich.


Allerdings habe ich eh das Gefühl, dass, sobald ich die Sprache wechsele, ich ein völlig anderer Mensch bin. (Habt ihr das auch?) Zum Beispiel wurde mir gesagt, dass ich bei Französisch ein wenig höher spreche und auch viel zarter, als hätte ich Angst die Worte würden zerbrechen. Im Deutschen klinge ich sehr gelassen, aber keineswegs, wie gedacht, hart oder aggressiv. (Aber es ist auch meine Muttersprache also kein Wunder, Deutsch strengt mich ja auch keineswegs an.)

Aus meiner Sicht kann ich nur sagen, dass Deutsch  mir eine geistige Überlegenheit verschafft, weil man im Deutschen alles in seine Einzelteile zerlegen kann und darüber philosophieren kann.
Während lateinische Sprachen melodisch klingen und mir das Gefühl von gesprochener Schönheit geben. Klingt sicher albern nicht?  Französisch verwandelt alles in ein Liebesgesäusel, während im Spanischen alles heiß und voller Leidenschaft ist. Englisch ist die Sprache, in der man einfachsten Freunde findet.

Aber wenn das Französische mir eine zarte Elfenstimme verleiht, ist dann auch der Rest meines Ichs anders? Handele oder denke ich anders? Geht man zärtlicher miteinander um, wenn man lateinische Sprachen spricht? Die Irin und ich fühlen uns immer noch sehr unwohl mit dem Küsschen links, Küsschen rechts. Die Franzosen und Spanier sind das gewohnt und nehmen es gar nicht mehr wahr. Gibt es also eine Identität, die durch Sprache vermittelt wird? Ist also nicht das Geographische und die Lebensumstände ausschlaggebend für die Identität, sondern die Sprache, mit der man versucht seine Welt auszudrücken?

Und falls ja, ist es dann nicht an der Zeit auch meinem spanischsprechenden Ich eine neue Identität zu geben? Es heißt doch immer, eine Sprache lernt sich nur gut, wenn man sie auch lebt. Also werde ich versuchen Spanisch zu leben.

Vielleicht ist mein spanisches Ich ja sportlich oder - ich wage es kaum auszusprechen - ordentlich!!!

Habt ihr manchmal das Gefühl anders zu sein, wenn ihr Englisch sprecht?

Dienstag, 23. September 2014

Crazy Cat Lady Campus

Liebes Toast, Liebe Koneko,


Heute war mein erster "Schultag". Ich bin morgens früh zur Uni und habe mir die Einführungen in meine ersten Kurse angehört. Anscheinend sind manche Dozenten wirklich strikt, sie erwarten viel und sind nicht sehr geduldig mit Erasmus-Studenten... Außerdem dauert ein Kurs zwei volle Stunden. Ob ich das durchhalte? Naja mal schauen. Der Innenhof meiner Uni ist wirklich wunderschön. Von außen sieht meine Uni eher nichtssagend aus, aber wie bei allen tollen Frauen strahlt die Uni von innen. Und viele Streunende Katzen laufen frei herum! Mein verrückte Katzenlady-Herz schlägt mit jeder weiteren Katze ein bisschen höher. Habe heute ca. 5 Streuner gezählt! (Viele schwarze Katzen, ist das ein gutes Omen?)

The Crazy Cat Lady Campus

Danach war ich einkaufen, um ein wenig meine Erkältung zu lindern: Tee, um die Kehle feucht und warm zu halten, Früchte, um mir einen Vitamin Boost zu verschaffen und Mousse au Chocolat...weil..weil..weil halt. Einfach eine kleine Aufheiterung.

Wisst ihr, am Anfang habe ich mir einfach gedacht: Ach ist doch noch Europa, was kann es schon für einen Kulturschock geben? Aber es sind wirklich die Kleinigkeiten im Alltag, die den Unterschied machen:

  • Wenn der Supermarkt einer absolut sinnlosen Ordnung folgt, bei der das Klopapier neben den Knabbersachen wie Chips und Erdnüssen steht.
  • Wenn es tiefgefrorene Nudeln in größeren Packungen gibt als Aufback-Pommes.
  • Wenn Banken nur bis 10 Uhr morgens offen haben.
  • Wenn Menschen mit gepflegtem Äußeren und ordentlicher Kleidung auf der Straße sitzen, um zu betteln.
  • Wenn Menschen über die Straße gehen wie sie lustig sind ohne Rücksicht auf Verluste.

Aber am schlimmsten trifft mich manchmal die Sprachbarriere... Ich habe echt das Gefühl, dass du nicht ausdrücken kannst, was du willst. Du verstehst eigentlich fast alles, aber witzig und geistreich in einer Sprache zu sein, die du nicht vollkommen beherrschst...  Das ist als würde man versuchen ohne Zunge zu sprechen. Sunshine, eine gute Freundin von mir, hat mir aber heute folgendes gesagt, was mich echt irgendwie total aufgeheitert hat:
"Du bist Vorort um die Sprache zu lernen. Du bist im Vorteil, denn eine Sprache lernen kann fast jeder, aber deinen Witz und Charme zu erlernen kann man nicht."
(Diese Freundin heißt echt nicht ohne Grund Sunshine! Danke dafür!)
Trotzdem fehlen dir einfach manche Ausdrücke und das isoliert dich manchal sehr von deiner Umwelt.

Nichtsdestotrotz hat das Ausländer-Dasein auch einen massiven Vorteil, wenn dir Leute etwas verkaufen wollen oder du einfach grad keinen Bock hast, dich von irgendeinem Vertreter oder so bequatschen zu lassen oder du etwas tust, was eigentlich nicht so ganz erlaubt ist, spiel immer die Ausländer-Karte: "QUÉ??? Qué?? No entiendo, no entiendo, Sorry, me no speak Spanish". Damit habe ich heute gleich drei Typen abgewimmelt, einer davon wollte mit mir über Jesu-Christi reden, ein anderer über irgendeinen Spendenverein, aber ich hatte Kurs und keine Zeit dafür und ein dritter wollte wohl irgendwelche Touristenaktionen an den Mann, in meinem Fall an die Frau, bringen.


Nach einem sehr langen Unitag (gegen 18Uhr), der von ein paar Pausen durchzogen war, beschlossen wir abends (21Uhr) uns einem Erasmus-Treffen anzuschließen und in eine traditionell-spanische Tapas-Bar zu gehen. Da gab es dann liebevoll zubereitetes Käsepilz-Risotto und Paella als Tapas. Echt super lecker!

Montag, 22. September 2014

Stupid Airconditioning

Liebes Toast,

Gerade hasse ich Granada ein kleines bisschen. Ich bin krank und das alles dank den dummen Klimaanlagen überall. Mir tut der Hals so verdammt weh. Heute morgen war es nur ein kleines Kratzen, aber nach dem ich meinen ganzen Tag in der Oficina de los Extranjeros (beim Ausländeramt) verbracht habe, tut mein Hals richtig weh. Und das ironischste daran: Ich musste dahin, um mir eine Karte ausstellen zu lassen, um Dinge wie zB Krankenhaus leichter abwickeln zu können. (Jetzt habe ich immerhin wirklich einen Verwendungszweck für diese Karte neben der allgemeinen, aber mir recht sinnlos erscheinenden Verpflichtung).

Ich habe also gute zweieinhalb bis drei Stunden da herum gehockt im akklimatisierten Wartezimmer, bis endlich die dumme Nummer 76 (meine Wenigkeit) aufgerufen wurde (Nur um mal klarzustellen, wie langsam diese Menschen dort arbeiten: Als ich da ankam, war die letzte Nummer, die ausgerufen wurde, Nr. 64).


Ich bin es so leid, ich hasse es krank zu sein. Ich könnte jetzt in diesem Moment in einer SushiBar mit den Erasmus-Leuten sitzen, aber gerade gehts mir echt dreckig, ich habe Halsschmerzen und Kopfschmerzen... Ich habe versucht so lange es geht zu schlafen und viel zu trinken. Aber die Wohnung ist so hellhörig, dass man jede Bewegung und Tätigkeit der Nachbarn und meiner Mitbewohner mithören kann. Koreanisch spricht sich nicht gerade leise... und sie skypt schon seit ca. zwei Stunden ohne Pause. Ich schätze entweder sie legt irgendwann auf oder mein Kopf explodiert und meine Mitbewohner kratzen mich von der Wand.

Ja, ja, ich weiß wie melodramatisch ich gerade klinge, aber ich bin echt kein guter Patient. ich habe schon Suppe gegessen, aber die Beschwerden der Krankheit klingen nicht so schnell ab, wie ich gehofft hatte. Sonst ist Hühnersuppe mein ultimatives Heilmittel, aber diesmal... Hoffentlich geht das schnell vorbei, damit ich mich wieder auf andere Dinge konzentrieren kann. Ich hasse es nicht reden zu können (Nicht, dass meine Stimme weg wäre, aber ich versuche sie zu schonen).

Halte dich warm!

Sonntag, 21. September 2014

First Raindrops

Heute war ein seltsam schleichender Tag, ich hab relativ lang geschlafen, ich habe mir nochmal Gedanken über meine Kurswahl gemacht:

Ich kann Dänisch hier an der Uni lernen und ich werde versuchen mein Französisch ein bisschen aufzufrischen. Zur Zeit habe ich Kurse, die insgesamt 48 Credits wert sind. Allerdings darf man pro Semester nur 30 machen, also werde ich vermutlich noch ein paar Kurse kicken müssen. In der kommenden Woche werde ich alle Kurse einmal ausprobieren und danach wird sich alles einpendeln. Ich werde mir einfach die nettesten Dozenten und wertvollsten oder einfachsten Kurse auswählen. Eigentlich sollte ich ja viele Kurse nehmen, die mit meinem Studium übereinstimmen, aber ich habe nicht das Gefühl, dass viele Kurse überlappen... Aber das wird schon.
 
Danach wollte ich ein bisschen Wäsche raushängen, aber gerade als ich das Fenster öffnete, fing es an zu nieseln. Es war kein starker Regen und nach ca. 5 Minuten war er auch schon vorbei, aber man hatte das Gefühl, dass dies der einleutende Herbstregen war. Nicht, dass sich viel am milden Klima geändert hätte, aber es liegt etwas in der Luft... Ich kanns noch nicht ganz sagen.
 
Später habe ich dann ein wenig die Zeit im Parque Garcia Lorca genossen. Ich glaube, ich werde mir demnächst irgendein Buch kaufen und mich dort hinchillen, um zu lesen.  Es ist so unglaublich friedlich dort. In vielen Teilen Granadas überrennen die Touristen alles, aber dort... Ich habe sogar ein paar streunende Katzen vorbeihuschen sehen. Vielleicht nutze ich es auch als Lernfläche, wenn mir mein Zimmer zu stickig oder eng wird.

Später am Abend bin ich mit Lydia (Irin), Vanessa (Mexikanerin) und Mélina (Französin) ins 100 Mondaditos gegangen. (Mittwochs und Sonntags kostet alles dort nur 1 €.) Die hatten echt leckere Sachen, also qualitativ echt super, aber ich habe das Gefühl in Granada macht das Konzept von Mondaditos [1 Getränk für grob nen Euro und für jedes kleine Tapas-Bocadillo einen weiteren Euro] einfach keinen Sinn. Du kannst dir in jeder anderen Bar ein Getränk für 1,50 bestellen und kriegst die Tapas umsonst. Dafür kannst man nicht immer auswählen, was man bekommt, da hat Mondaditos natürlich nen Vorteil...


Im Großen und Ganzen ist verhungern in Granada nahezu unmöglich, wenn du 1,50 für ein Bierchen zusammenkratzen kannst. ¡Viva España!
 
Danach sind wir zu mir und haben uns "The fault in our stars" auf spanisch angeschaut. Es war ein langer Film mit Höhen und Tiefen, sinnlichen Momenten und eigentlich wert, dass man weint, aber wie das manchmal so ist, kann man nicht weinen, auch wenn man möchte. Ich kann ihn dir nur empfehlen, falls du ihn noch nicht gesehen hast und jaaa, bestimmt ist das Buch besser. Aber weißt du was, gerade ist mir das ein wenig egal, ich bin müde (mal wieder).
 
Ich gehe jetzt schlafen, 

Samstag, 20. September 2014

Bureaucracy

Liebes Toast,

Ich habe heute wirklich rein gar nichts gemacht bis auf gegessen und Bürokratie. Es ist eine reine Zettelwirtschaft, damit ich mich an der Uni offiziell einschreiben kann, Kurse wählen kann und was auch sonst immer. Aber neben der Uni kommen noch mehr Bürokraten von der Stadtverwaltung Granadas und halsen die noch mehr Papierkram auf. Sobald man länger als 3 Monate in der Stadt bleibt, muss man sich regristrieren, damit man irgendwas in der Stadt machen kann. Ein Kumpel von mir durfte sich nicht in einem Fitnessstudio anmelden, weil er von der Stadtverwaltung den offiziellen Registrierungs-Wisch noch nicht hatte. Als er anmerkte, dass er EU-Bürger sei und er Rechte habe, habe man wohl nur mit den Achseln gezuckt.

Da ich den ganzen Tag wirklich rein gar nichts außergewöhnliches getan habe außer Papierkram, belasse ich es mal heute dabei.
Auf, dass die nächsten Tage spannender werden!

Freitag, 19. September 2014

A Boy named Sue

Liebes Toast,

Der Tag begann mit einer weiteren Einführungsveranstaltung aber diesmal in der Fakultät! Wohoo!

"Sie haben das Uni-Ziel erreicht!"

Mir scheint mit jeder Veranstaltung steigt der Berg an Papierkram, den ich zugesteckt bekomme...
Und wie das mit der Bürokratie so ist, will jeder von allem eine Kopie oder Papiere haben, die du noch gar nicht bekommen hast. Abgesehen davon liegen die Büros weit voneinander entfernt, sodass du nicht ebenmal schnell rüber gehen kannst und alles in einem Aufwasch erledigen kannst.

Ich denke ich werde morgen mal einen Bürokratie & Wäsche-Tag einlegen müssen..

Mit einer Freundin bin ich dann mir eine spanische Nummer holen gegangen, also falls jemand mich anrufen will, gebe ich ihm/ihr die Nummer gerne, aber mein Whatsapp ändert sich nicht. Wenn ich zurückkehre, werde ich auch die alte Nummer wieder annehmen.


Danach bin ich mit meinen Mitbewohnerinnen zu einem Erasmustreffen und wir haben uns das Viertel Albayzín angesehen. Es ist ein altes Stadtviertel, zu dem man recht steil aufsteigen muss, aber das wirklich mit seiner Schönheit nicht geizt. Außerdem hat man, wenn man oben am Mirador de San Nicolas ankommt, einen Wahnsinnsblick auf die ganze Stadt und die Alhambra, die auf einem gegenüberliegenden Berg situiert ist.



Nach dem langen Aufstieg ging es dann ebenso steil wieder herab und normalerweise wäre mein Tag jetzt schon gelaufen gewesen, ich hätte mich abgeduscht und ins Bett gehauen.

 Aber es kam heute etwas anders:

Ich war gerade dabei  mir ein Tassen-Essen zu machen (und nein, ich rede diesmal nicht von Tassenkuchen oder Tassensuppen, sondern eine Art Auflauf in der Tasse, für die man nur eine Mikrowelle und die Zutaten braucht! Geht super schnell und schmeckt super lecker! Hier ist der Link: Bon Appetit.) als eine Gruppe aus 2 Franzosen, einer Irin und einer Mexikanerin anfragte, ob ich mit zu einer Flamenco Show kommen wolle. Ich sagte spontan zu und machte mich auf den Weg.


Für 8 Euro gab es diese Show und das spanische Feuer loderte auch bei dieser Tänzerin. Ich habe mir von der Mexikanerin, die ebenfalls leidenschaftlich Flamenco tanzt, sagen lassen, dass der Sänger das Geschehen lenkt, die Tänzer richten sich nach dem Gesang und der Gitarrist ist beiden untergeordnet. Und insgesamt sind diese drei Komponenten aus Gesang, Tanz und Melodie zwar gut aufeinander abgestimmt, aber werden trotzdem größtenteils improvisiert.

Nach der Flamenco Show sind wir alle zusammen noch Tapas essen gegangen. Es war so ein lustiger Abend! Allerdings habe ich das Gefühl, dass einer der Franzosen auf mich steht... Der Franzose ist sehr nett und witzig, aber er hat einen Frauennamen (haha). Das klingt wie erfunden. Aber in Frankreich ist das wohl kein sehr weiblicher Name, aber für alle anderen schon. [Für die Privatsphäre gebe ich ihm einen Codenamen:] Sue. A Boy named Sue. Wie der gleichnamige Song.
Vielleicht missinterpretiere ich auch, aber es gibt gewisse Anzeichen, dass "Sue" interessiert an mir ist: Als ich einmal feiern war, haben seine Freunde ihn ständig gegen mich geschubst oder ihn zu mir geschoben... Dann habe ich einmal kurz mit ihm kurz getanzt. Aber das hat seine Freunde wohl nur noch mehr angestachelt. Ihm war das ziemlich peinlich und das Verhalten seiner Freunde wurde auch  nicht unauffälliger! Heute hat er gentlemen-like mir seinen Platz überlassen und als mir der andere Franzose etwas ins Ohr flüsterte, war Sue ganz erschrocken, als er erfuhr, dass sein Kumpel mir etwas über ihn verraten habe. (Er hat nur gesagt, dass Sue in einer Band spielt.) Es ist irgendwie sehr schmeichelhaft, wenn er wirklich an mir interessiert ist, aber ich kenne ihn nicht wirklich...

Naja wie dem auch sei, ich halte dich auf dem Laufenden. Ich gehe jetzt schlafen. Schon wieder 3Uhr früh! Das gibts doch nicht! Ich verschreibe meine wertvolle Schlafenszeit! Aber es macht halt so viel Spaß...

Donnerstag, 18. September 2014

Sleepy Unspectacular

Liebes Toast,

Ich weiß nicht, was heute los war, aber ich habe noch nie so viel Schlaf gebraucht wie heute. Ich wurde irgendwann in den grausamen Morgenstunden von der Türklingel geweckt. Meine Mitbewohnerin stand vor der Tür. Sie hatte sich ausgesperrt. Ich dachte: Naja kann ja mal passieren und ging wieder ins Bett, kaum eingeschlafen, wurde ich jedoch wieder geweckt: Diesmal von dem Typen, der das Gas installieren wollte. Eigentlich sollte er gestern kommen, aber das hat er nicht. Und so war er heute da. Er hatte meine volle Aufmerksamkeit, dann bin ich wieder ins Bett gegangen und habe geschlafen.
und geschlafen
und geschlafen...

Irgendwann gegen 4Uhr nachmittags wurde ich dann wach und stellte entsetzt fest wie viel Zeit ich verloren hatte. Also beschloss ich definitiv noch irgendwas vom Tag zu haben. Nach einer wundervoll warmen Dusche ging ich zu einem der vielen Erasmus-Treffen. Wir machten eine Schnitzeljagd durch Granada und ich lernte viele nette Leute kennen: ein paar Italiener, haufenweise Franzosen, ein, zwei Finnen und eine Belgierin. Wir sind nach der Schnitzeljagd zusammen Tapas essen gegangen.

Auch wenn der zweite Teil des Tages wirklich angenehm und sozial war, habe ich das Gefühl, das heute ein etwas verlorener Tag ist. Und ich bin schon wieder so müde...
Ich denke es liegt an der Wärme... Man kann nicht gut schlafen, wenn man sollte und dann schläft man zu den seltsamsten Zeiten, um zu kompensieren. Zu Unizeiten kann das ja heiter werden...


"No hay nada en la vida como la pena de ser ciego en Granada."

Ich lade Fotos von der Schnitzeljagd später hoch. Ich bin irgendwie gerade zu müde dazu. Ich leg mich jetzt aufs Ohr. Ich freue mich richtig aufs Träumen, ich weiß gar nicht wieso, aber irgendwie brauche ich gerade mal eine Auszeit.

Vielleicht ist es wie Lydia sagt: Extrovertierte Menschen ziehen ihre Energie daraus, dass sie mit Menschen Kontakt haben; introvertierte Menschen brauchen ihren Ruhepol, damit sie wieder fit und aktiv mit anderen umgehen können. Meine introvertierte Seite hat wohl heute die Oberhand gewonnen.

Mittwoch, 17. September 2014

Sciences vs. Magic

Liebes Toast,

Sorry, dass dieser Post ein paar Stunden später kommt, als erlaubt, aber wir waren feiern (mal wieder)..Also:

Der Tag begann mit einer weiteren Uni-Veranstaltung, wir wurden in den Parque de las Ciencias eingeladen. Ein paar weitere öde Reden später saß schließlich ein Streichquartett vor uns und spielte für uns. Das war echt schön, man hatte das Gefühl endlich mal was kulturell wertvolles zu machen und nicht nur touristischen Urlaub.

 
 Dvorak: String Quartet No. 12 in F major, "American" - IV. Finale: vivace ma non troppo


Danach durften wir uns im Parque de las Ciencias (Es ist ein Naturkunde-Technik-Wissenschafts-Museum) kostenlos umsehen! Es gab ein Tropenhaus mit exotischen (teilweise handgroßen) Schmetterlingen, einen Greifvogelpark, eine Abteilung, bei der man den menschlichen Körper in all seinen Einzelteilen beleuchtet hat. An sich für mich nichts neues, aber er war trotzdem ganz cool sich anzusehen. Wir kamen in einen Teil des Museums wo einsam und verlassen ein Piano stand. Zunächst setzten sich ein paar Stümper ans Klavier, aber später wechselten die Stümper für ein paar echt gute Spieler. Und so saßen wir für eine Weile einfach im Museum, während die Musik in alle Richtungen hallte.




Danach tigerte ich allein durch die Stadt auf der Suche nach einem "hipermercado", sozusagen der Superheld unter den Supermärkten. Ich brauchte schließlich immer noch eine neue SD Karte und solche hipermercado haben einfach alles, sozusagen ausgestattet für alles. Der Superheld unter den Supermärkten eben. Aber nicht nur sind sie gut ausgestattet, sondern diese Supermärkte sind wie ein Geheimversteck (soll heißen, sie waren super schwierig zu finden, habe mich mehrmals verlaufen und schließlich 3-4 Leute angequatscht bis ich es endlich gefunden habe... etwas peinlich, denn soweit von mir war's gar nicht entfernt und das Ding ist riesig also eigentlich gar nicht übersehbar... Aber ich schätze so ist das wohl mit allen Superhelden-Hauptquartieren). Eine Frau wies mich zu einer Schule und sagte mir, gleich dahinter sei der Hipermercado, sie erklärte, sie müsse sowieso zu dieser besagten Schule also würde sie mich begleiten. Ich fragte, ob sie Leherin dort sei, aber sie verneinte und meinte: "Soy una madre." Ich weiß nicht wieso, aber in dem Moment musste ich irgendwie echt hart schlucken. Sie war so nett, wirklich hilfsbereit und ja gar zärtlich zu mir gewesen und als sie sagte, dass sie eine Mutter sei, hatte ich plötzlich Heimweh. Albern nicht? Aber ich schüttelte es schnell fort. Ich erreichte endlich mein Ziel und kann jetzt endlich wieder Fotos posten!

Ich kehrte zurück in Erwartung eines Handwerkers, der uns endlich mit Heizgas für warmes Wasser versorgt, aber der blieb aus. (Dafür kam er übrigens am nächsten Tag um eine viel zu frühe Uhrzeit für jemanden, der die Nacht zum Tag gemacht hat.)



Wir (meine Mitbewohner und ich) sind später dann noch zu einer Zaubershow gegangen, die für uns Erasmus Studenten organisiert wurde, aber der Magier bis auf ein paar wenige Tricks eher schlecht... Ich weiß nicht was lustiger war, wenn er den Trick hingekommen hat oder wenn er ihn versiebte..?
Viele sind während seiner Vorstellung gegangen, aber wir waren natürlich zu höflich dazu...
Schließlich sind wir einen trinken gegangen (+ gratis Tapas dazu! Yay) und danach feiern.



In dem Klub waren jedoch kurz vor der Party alle Klimaanlagen ausgefallen und es war so stickig und heiß, dass es sich auf Dauer nicht länger als 15 Minuten auf der Tanzfläche aushalten ließ. Deswegen herrschte stets schneller Wechsel zwischen Tanzen und Aufatmen gehen. Aber es war trotzdem irgendwie ein genialer Abend. Man lernt viele Leute kennen, aber ich glaube fast, ich habe keine Namen behalten. Gegen Ende laufen Lydia und ich immer zusammen heim und jedes Mal kommen wir an diesem leckeren Nacht-Kebab-Laden vorbei. Wir sind beide immer ziemlich ausgehungert, aber diesmal konnten wir widerstehen. Ich glaube trotzdem, dass dieser Laden sich an mir noch eine goldene Nase verdienen wird.
 

Dienstag, 16. September 2014

Bonding over Nightmares

Liebes Toast,

heute war die erste offizielle Veranstaltung der Universität und sie fand für mehrere Fakultäten zusammen statt, deswegen wurden wir in den PALACIO DE CONGRESO gebeten und ich kann dir sagen: Es ist genauso pompös wie es klingt. Aber leider habe ich diesmal kaum bis keine Bilder für dich, denn heute morgen habe ich im Stress scheinbar meine SD-Karte irgendwie beschädigt, sodass meine Kamera die Karte nicht mehr erkennt...

Meine Kamera bleibt also vorerst für eine Weile außer Gefecht, bis ich einen Laden gefunden habe, der SD-Karten verkauft. Sollte nicht allzu schwer sein, aber hat sich bisher noch keine Zeit gefunden.

Aber egal zurück zu meinem Tag: Ich bin also zuerst zur Einführung gegangen und musste mir die wohl längste Rede der Weltgeschichte ohne wirklichen Inhalt anhören. Dann die gleiche Rede ein weiteres Mal! Aber diesmal in Englisch!! Wohooo! Aber in schlechtem Englisch. Einem Englisch, bei dem jedes zweite Wort ein "well", "erm..." oder ein "...okay..." war. Diese Art Englisch, die so richtig an den Nerven zehrt...

Danach wurde es seltsam, ein total überdrehter Typ kam auf die Bühne tänzelte und sang über ein Festival, das wohl bald nach Granada komme. Er wollte uns wohl motivieren oder zum Mitmachen animieren, aber Thomas und ich saßen in unseren Kongresssitzen und versuchten so stark ein Lachen zu unterdrücken jedes Mal, wenn ein weiteres "¡¡¡Oléeeee!!!!" ertönte. Mein Lachpegel lag ganz ganz knapp unter "interne Explosion durch aufgestautes Lachen". Aber ich habe es überlebt. Puh...

Danach kamen ein weiteres mal die Sprecher von der ersten Rede und hielten eine weitere endlose Rede über Dinge, die zwar informativ waren, aber von denen uns zum Schluss gesagt wurde, dass sie alle im Internet zusammengefasst stehen. Und das gleiche mussten wir uns wieder noch ein zweites Mal anhören für die, die nur englisch verstehen. Und wieder die gleiche Englischsprecherin... Oh da ist es wieder dieses nervöse Augenzucken gepaart mit stechendem Kopfschmerz... Kennst du dieses Gefühl, wenn du dein Leben wieder zurück willst? (Hey, Thomas Mann! Die 3-4h Buddenbrooks im Kino habe ich auch noch nicht vergessen! Die will ich auch zurück!)

Als wir endlich rausgehen durften, bekamen wir einen Haufen an Flyern zugesteckt und die offizielle Studentenkarte. Ich bin so stolz! Ich bin offiziell Erasmus-Student an der Uni Granada.

Im Grunde war der Tag schon ziemlich weit rum, ich kehrte heim, aß zu "Mittag"(?) und sprach mich mit meiner Mitbewohnerin ab, ob die Handwerker schon da waren und genau in dem Moment klingelte es. Wie aufs Stichwort standen die Handwerker vor der Tür. Sie reparierten, was zu reparieren war, aber meinten sie müssen morgen noch mal kommen, um neues Gas anzuschließen, weil unseres scheinbar leer ist (?). Wir hatten keine Ahnung, wir lächelten und nickten und sie verschwanden irgendwann.

Kurz darauf kam ein weiterer Besucher: unsere koreanische Mitbewohnerin kehrte aus Paris ins traute Heim zurück. Sie ist sehr nett, ein wenig schüchtern, aber sie hat uns Schokolade geschenkt und mir damit den Tag gerettet! Ich habe keine Ahnung wie man ihren Namen schreibt, aber es klingt so ähnlich wie Sung Yi oder Soing Ji (?).  Sorry an alle Koreaner, die zufällig über diesen Blog stolpern und deutsch verstehen...


Gerade machen wir ein wenig Laptop-Klub, weil sie all ihren Freunden in Korea schreibt und skypt und ich meinen Bloppost fertig stelle. Den restlichen Abend habe ich mal ausnahmsweise mal eher in der Wohnung verbracht und wir haben ein wenig den Teil der Gemeinschaft im Worte WG gestärkt. Meine Belgische Mitbewohnerin heißt übrigens Mahé, falls ich das nicht gesagt haben sollte.

Kurz vor unserem Laptop Klub war ich kurz eingenickt und hatte einen übelsten Alptraum über einen Strand mit dunkelem Sand und pechschwarzen Wellen, die ans Ufer peitschen. Es stürmte und jedes Mal wurde ein Stück mehr vom Strand von den Wellen weggespült und mich erreichten die Wellen fast auch, aber als zum ultimativen Schlag ausgeholt wurde, erwachte ich. Aber der Traum war so intens, dass ich mich nicht rühren konnte und gefühlt eine geschlagene Minute nur da lag, überwältigt von meiner eigenen Vorstellungskraft. Ich sags dir, ich konnte das Meer in all seiner Kraft spüren, das Salz riechen und schmecken, den zornigen Donner und das Peitschen hören und sogar fühlte ich die Nässe der Wellen. Es war echt ein Wahnsinnstraum, wenn ichs mir so recht überlege. Als ich endlich wieder zu mir kam, surrte mein Handy und ich sah drauf. Thomas schrieb mir, ob ich nächsten Sonntag wieder mit zum Strand komme! Ich kann dir gar nicht sagen, wie krass ich erstmal lachen musste.
Das waren einfach zu viele Zufälle auf einmal, ich erzählte, die Story meinen Mitbewohnerinnen und es wurde offiziell der erste Insider-Gag unserer WG. (und keiner zweifelt mehr meine Fähigkeiten als Hexe und Wahrsagerin an hahaha)

Ich hoffe dir geht es auch gut!

Montag, 15. September 2014

Flamenco in the Streets

Liebes Toast,


Wie du vielleicht bereits weißt habe ich einmal von kalten Duschen gesprochen und bisher hat sich das Problem nicht in Luft aufgelöst. Also sind meine Mitbewohnerin und ich heute zum Vermieter gegangen, allerdings ist das mit den Spaniern und Reparaturen immer so eine Sache. Sie sagen dir "mañana" und meinen aber "irgendwann in ferner Zukunft". Das ist ziemlich nervig. Aber der Plan ist sich nicht unterkriegen zu lassen und einfach den Vermieter jeden Tag mit deutsch-belgischer Überzeugungskraft zu bearbeiten, um ihm klarzumachen, wie grausam eine kalte Dusche manchmal sein kann. An sich ist denke ich kein großer Schaden, aber es handelt sich um Gas-Heizkörper und da will ich nicht diejenige sein, die etwas versucht anzuschließen und schließlich alles in die Luft jagt...

Ansonsten verlief der Tag recht ruhig, ich war einkaufen sowohl Lebensmittel als auch ein paar Dinge für die Wohnung. Es gibt hier so Allerlei-Krimskrams-Läden. Die Spanier nennen sie "Los Chinos", weil sie von Asiaten betrieben werden und wirklich alles haben - von Schreibwaren über Dekoration für die Wohnung bis hin zu Waschmittel und Hygieneartikel. Und alles ist so super billig! Es ist wie Kick, Tedi und ein Second-Handladen in einem vereint, aber es sieht nicht ganz so ranzig aus.

Später am Abend bin ich zu einem weiteren Erasmus-Treffen gegangen, aber typisch deutsch wie ich bin war ich viel zu früh da. Aber es hat auch seine Vorteile, überpünktlich zu sein: bevor alle Erasmus-Leute eintrudelten, versammelte sich eine Gruppe von Musikern auf dem Platz und spielte auf ihren Akkustikgitarren. Schließlich gesellte sich eine Sängerin dazu und zwei Flamenco-Tänzer (ein Mann und eine Frau). Es begann genauso plötzlich wie es wieder aufhörte. Aber es war so schön anzusehen. Der Mann und die Frau tanzten nicht zusammen, es sah an wenig aus wie eine Debatte ausgedrückt in Tanz. Beide machten ein kurzes körperliches Statement, aber die einzige Stimme, die zu hören war, war die der Sängerin. Die Musik wechselte die Stimmung und auch die Tänzer wandelten die Bewegungen. Vielleicht ist es auch anders herum gewesen. Das ließ sich nicht so genau sagen. Aber ich habe mir sagen lassen, dass die Tänzer den Rhythmus bestimmen. 



Als die Tänzer und Musiker sich verzogen hatten trafen alle Erasmus-Studenten ein und ich schien die einzige zu sein, die die Tanzeinlage mitbekommen hatte... Es war wirklich seltsam. 

Wie dem auch sei wir sind dann in unsere Standard-Tapas-Bar und haben den Abend sanft ausklingen lassen. Ich habe mich gefreut endlich Thomas (aus Germi, der zusammen mit mir studiert) wiederzusehen. Ich glaube momentan verbringe ich ein wenig "zu viel" Zeit mit der Irin Lydia. Sie ist einfach ziemlich cool, ich habe sie sehr gern. Aber ich fürchte, dadurch monopolarisiere ich ein wenig zu sehr und gebe mir ein bisschen weniger Mühe mit den anderen. Es ist nur leider so, dass es mehr Spaß macht mit ihr zu reden als den langweiligen Smalltalk mit den anderen...
Es sind einfach immer die gleichen Fragen:
Wie heißt du? Woher kommst du? Hast du schon eine Wohnung in Granada? Was studierst du?

In Germi habe ich mit Katja immer ein Fragenspiel gespielt, bei der man versucht nur in Fragen zu sprechen und immer weiter die Konversation am Laufen hält, in dem man aus allem gesagten eine weitere Frage zu formulieren. Es hat in Germi ganz prima funktioniert, mal schauen ob ich das demnächst in Granada auf spanisch auch anwenden kann. Wird definitiv schwieriger... 
Es ist jetzt knapp 6Uhr früh, ich geh mal lieber schlafen....

Sonntag, 14. September 2014

Beaches & whiny babies

Liebes Toast,


Heute fand wie angekündigt der Strand-Tag in Marbella statt. Wir zahlten 14 Euro für Hin- und Rückfahrt, freies Essen und Trinken und freie Strandspiele.
Früh morgens fuhren wir mit dem Reisebus los und kamen nach ca. 2h in Marbella an. Wir waren insgesamt eine Truppe von 220 Personen.



Den Strand haben wir gut ausgefüllt.

Die Sonne strahlte, das Meer glitzerte und es war überdurchschnittlich warm (der Sand fühlte sich an wie heiße Kohlen...).



Nach einer Weile des Sonnenbadens befanden wir, dass es Zeit war schwimmen zu gehen. Wir näherten uns dem Wasser und alle kreischten oder jammerten. Zimperlich tippsten sie im Wasser herum und liefen schnell wieder heraus, wenn die Wellen kamen.

"It's too cold!" lautete der einstimmige Befund.

Oben links: Der Moment, in dem die Pommes alle waren?

Zu kalt? Ich sah meine Truppe ungläubig an und sprang ins Wasser. Es war unglaublich angenehm. Ich hatte wirklich keine Ahnung, wovon sie redeten. Aber es schien, als sei ich die einzige, die das so empfand. Sie erklärten es sich damit, dass ich aus Deutschland komme und das kühle Wasser wohl gewöhnt sei. Als jedoch andere Deutsche nicht so empfanden, kam die Theorie auf, ich müsse wohl aus dem Norden Deutschlands kommen. (? xD)

Es amüsierte mich, was jedes Mal für ein Aufstand gemacht wurde, bevor sie nach einigen Schwimmzügen es auch für angenehm befunden (und wir reden hier nicht nur von den Mädels!). Es blieb mir einfach ein Rätsel, warum mein Wärme- & Kälteempfinden so anders im Gegensatz zu dem der anderen war.

Vielleicht ist es das germanische Blut, dass in meinen Adern fließt (haha). 

Aber es war auf jeden Fall ein genialer Tag. Es wurde viel gelacht, habe neue Leute kennengelernt und ich bin geschwommen und habe mich gesonnt.
Ich habe Sonnenbrand auf der Nase (trotz Sonnenschutz 50, aber naja wie üblich halt für Rothaarige), aber ich kann auch stolz berichten, dass ich ein wenig braun geworden bin!

Samstag, 13. September 2014

Thiefs, Tapas & Marriage

Liebes Toast,


Okay also erstmal ein kleiner Nachtrag zum gestrigen Tag: Ich bin noch feiern gewesen mit der Erasmus-Truppe. Wir waren in einem Klub, von dem man aus die beleuchtete Alhambra bei Nacht sehen konnte. Es gab noch mehr Sangria und seltsame Honigshots (die leicht runter gehen, aber auch ebenso stark reinhauen). Wir haben bis ca. 5 Uhr früh gefeiert und es war wirklich der Hammer! So viele nette Leute, alle darauf aus andere Leute kennenzulernen und Spaß zu haben. Das ist einfach eine richtig gute Atmosphäre und vor allem mit dem angenehm milden Klima Spaniens dazu - selbst bei Nacht. Es fühlt sich nicht an wie Erasmus-Semester, sondern wie Urlaub. 



Als wir (eine Irin, ein Brite, ein Franzose und ich) langsam nach einer etwas zu hart gefeierten Nacht den Heimweg antraten, saß da ein Mädchen der Erasmus-Truppe weinend am Wegrand. Wir gingen sofort zu ihr und fragten was los sei. Sie war aus Dänemark und erklärte ihr wurde im Klub alles geklaut: Schlüssel, Handy, Geld (grob 100€) und nun könne sie weder nach Hause, noch ihre Mitbewohnerin oder die Polizei anrufen oder ein Taxi bis nach Hause nehmen. Die Irin und ich sprachen ihr sofort liebevoll zu, dass sie von unserem Handy aus anrufen könne, wen sie wolle und dass wir den Erasmus-Koordinatoren Bescheid sagen würden. Wir überredeten sie zurück zum Klub zu gehen und begleiteten sie den gesamten Weg, versuchten ihr Mut zuzusprechen, dass sich ihre Schlüssel vielleicht wiederfinden, da kaum ein Dieb Verwendung dafür hat, wenn er nicht weiß, zu welchem Schloss der Schlüssel gehört und sie vielleicht in die nächstgelegene Mülltonne schmeißt. Wir erklärten ihr, dass sie Schlüssel leicht nachgemacht werden können und dass das die geringste ihrer Sorgen seien sollte. Wir erklärten ihr, was für ein Glück es sei, dass alle ihre Kreditkarten etc. noch da waren und „nur“ das Bargeld gestohlen wurde und nicht auch noch ihre Identität. Allerdings war das Handy natürlich schon ein herber Verlust... Aber wie sich herausstellte, war die Situation doch nicht so aussichtslos, denn ihre Mitbewohnerin hatte ihr Handy eingesteckt. (Wir kamen wir genau in dem Moment am Klub an, als ihre Mitbewohnerin gerade herauskam.) Das Mädchen war uns so unendlich dankbar, sie wiederholte immer wieder: „Ich würde euch so gerne einen Drink ausgeben, ihr habt mir so geholfen! Ihr wisst ja gar nicht wie viele Personen einfach vorbei gelaufen sind!“ Einer ihrer Freunde kam an und erklärte auch seine Dankbarkeit, dass wir sie aufgelesen hatten. Ich finde es traurig, dass anderen zu helfen nicht selbstverständlich ist... Allerdings war dieser Kumpel sehr betrunken und erklärte dann, er habe versucht Alkohol aus dem Klub zu stehlen, weil er sich für das gestohlene Geld rächen wollte. In seiner Besoffenen-Logik hat das sicher Sinn gemacht, aber mal ehrlich: Seit wann gleicht eine weitere böse Tat eine andere aus? Und was kann denn bitte der Klub dafür, dass das Mädchen bestohlen wurde? Es ist ja nicht so als hätte sich der Barkeeper an ihrer Tasche vergriffen!



Nach einer so heiklen Nacht bzw. diesen sehr frühen Morgenstunden bin ich wie tot ins Bett gefallen. Ein paar gute Stunden Schlaf später bin ich mit einer Slowenin Tickets für einen Tag am Strand in Marbella kaufen gegangen, der morgen stattfindet. Danach sind wir zusammen in die Gärten um die Alhambra gegangen. Für die Alhambra selbst braucht man extra Eintrittskarten und Reservierungen für einen bestimmten Termin, aber die Gärten stehen jedem offen. Dort sind wir eine Weile herumgelaufen und haben die Sonne genossen. Viele Hochzeitspaare kommen extra zur Alhambra, die auf einen Hügel weit oben über der Stadt Granada thront, gepilgert, nur um Hochzeitsfotos machen zu lassen. Besonders gefreut hat mich, dass nicht nur heterosexuelle Pärchen dieser Tradition folgen, sondern auch homosexuelle Paare. Granada scheint mir eine sehr homosexuellen freundliche Gegend. Aber im allgemeinen sind die Spanier sehr offen und herzlich, was irgendwie auch ein wenig seltsam ist, schließlich sind sie trotzdem sehr katholisch... Aber ich finde, das ist genau das, was das Christentum immer predigt: Nächstenliebe. Gleichheit vor Gott. 



Genug vom Philosophischen. Danach ging es nach Hause und ich konnte mit Freuden feststellen, dass ich endlich eine Mitbewohnerin habe! Sie ist Belgierin und sehr nett, quirlig wie ich, aber ich denke wir werden uns richtig gut verstehen! (Übrigens hat sich das Rätsel um meine Geist-Mitbewohnerin endlich aufgelöst: Sie ist wohl eine Koreanerin, die für ein paar Tage nach Paris gefahren ist. Zu Uni-Beginn wird sie aber wohl zurück sein.) Ich war den ganzen Tag herumgetigert und sie war gerade erst angekommen, also haben wir uns zwar unterhalten, aber im Grunde nichts mehr Großes außerhalb der Wohnung gemacht. Sie und ihr Vater haben ihren Kram ins Zimmer getragen und sie hat sich eingerichtet, während ich auf der Couch ein paar spanische Serien geschaut habe. Es geht doch nichts über eine spanische Soap zum Einschlafen!


Nach diesem perfekt geplanten Power-Nap bin ich dann am Abend noch ausgegangen mit den Erasmus-Leuten. Es war einfach eine chillige Runde in einer Bar, wo du 2 Euro fürs Getränk zahlst und einen riesigen Teller Tapas dazu kriegst. Das ist als würde man ins Restaurant gehen, aber nur das Getränk bezahlen! Dieses Konzept ist echt genial! Vergesst eure 30€ teuren Tapas-Restaurants! Granada ist wirklich ein genialer Ort für ein Erasmus-Semester. Ich hatte zwar bisher keine Uni und ich bin auch erst seit Mittwoch hier, aber bisher habe ich mich noch kaum so fehl am Platz gefühlt, dass ich mich wirklich absolut nach Hause gesehnt hätte.

Ich vermisse schon meine Freunde, aber wenn man den Tag über gut beschäftigt ist, fällt einem alles viel leichter. Morgen geht’s ziemlich früh mit dem Reisebus nach Marbella. Ich freue mich schon sehr auf Strand, Meer und mehr!

Freitag, 12. September 2014

Make the World dance

Liebes Toast,

Wow gerade fühlt sich alles ziemlich schwummerig an.
Ich kanns nicht anders sagen: Ich bin voll.

Aber fang ich mal von vorne an...

Der Tag fing ziemlich unspektakulär an, ich wachte auf, immer noch keine Mitbewohner, machte mich fertig und ging in den "Mercadona" (Supermarkt). Ich kaufte eine monströse Pulle Wasser, an der ich mich halb tot geschleppt habe. Ich trinke nicht gerne aus dem Wasserhahn, besonders nicht, wenn ich im Ausland bin. Außerdem erklärte man mir, es sei auch nicht gesund sich damit die Zähne zu putzen. Deswegen wollte ich mir diese riesige Wasserpulle von 8L ins Haus holen. Als ich jedoch merkte wie unsäglich schwer das Ding ist, entschied ich mich das Zähneputzen weiterhin mit dem Leitungswasser zu machen. Wie schlimm kann das Wasser schon sein? Ich meine, ob ich mir Salmonellen einfange oder einen Bruch hebe, ist im Endeffekt doch auch egal. Das ist die berühmte Wahl zwischen Pest und Cholera.

Nach meinem erfolgreichen Einkauf ließ ich mich auf die grandiose Erfindung der Siesta ein.
Ich weiß, das klingt ultra lahm, aber ich sags euch, so ein bisschen dösen, chillen, essen, während die Sonne draußen prallt und es innen schön kühl ist, das hat was. Ich kann verstehen, warum die Spanier sehr gechillt durchs Leben gehen. Alles andere macht bei der Hitze eh keinen Sinn.

Irgendwann am Nachmittag gab es ein weiteres Erasmus Treffen. Man sagte mir, es werde uns zunächst gezeigt wie Sangria gemacht wird und dann gebe es eine Flamenco-Vorstellung.  Leider kam es ein wenig anders....



Wir wurden zu einem Ort namens El Templo de Flamenco gebracht. Es ist ein Restaurant, das innerhalb einer bereits bestehenden Höhle gebaut wurde. Die Höhle hält die Hitze ab und im Winter hält sie warm, deswegen ein idealer Ort für den Flamenco Tanz, obwohl es ursprünglich sogar mal eine Kirche war. Dort wurde uns gezeigt wie man echte Sangria zubereitet. Ich dachte immer Sangria sei im Grunde Wein mit Früchten...
Ich habe noch nie so falsch gelegen...

REZEPT:
  • Früchte der Wahl in kleine Stücke schneiden (bevorzugt Äpfel und Orangen) und dann ein guter Schuss Zucker drauf.
  • das ganze mit Gin und Cognac (2:1) auffüllen und schonmal gut umrühren damit sich der Zucker löst. 
  • Danach Rotwein in doppelter Menge wie Gin und Cognac dazukippen
  • Darauf Zitronen- oder Limettenlimonade dazu und optional noch Sprite.
  • Abschmecken und nach Belieben mehr Alkohol oder Zucker rein.

Der Typ des Etablissments hat uns gezeigt wie man die Sangria zusammen mischt und definitiv viel Alkohol reingehauen. Dabei erzählte er uns die geschichtlichen Hintergründe des Flamenco, aber leider gab es keinen Flamenco Tanz, dafür aber ein tiefer Blick ins Sangria Glas...

Und ich sags euch, das haut so übelst rein. Vorallem bei der Hitze...Ich kann kaum klar denken. Dass ich mehr oder weniger fehlerfrei tippen kann, zeugt von guter Körperbeherrschung. Aber ich bin schrecklich müde. Mich haben ein paar Jungs (ebenfalls Erasmus Studenten) gefragt, ob ich mitkommen will, was trinken, aber ich fühle mich jetzt schon ziemlich platt...

Ich weiß noch nicht genau wie dieser Abend ausgeht, aber eines ist sicher, die Spanier wissen wie man den Geist zum Stehen und die Welt zum Drehen bringt.


Donnerstag, 11. September 2014

A las Montañas

Liebe Ace,

(da du Toast scheinbar nicht magst...?)

Immernoch kein echtes Lebenszeichen von meiner Mitbewohnerin. Es bewegen sich Möbel und Geschirr, aber meine Mitbewohnerin ist und bleibt unsichtbar. Es ist als würde ich mit einem Geist zusammenwohnen. Die dritte im Bunde scheint mir ebenfalls nicht auftauchen zu wollen, denn das zweite Zimmer steht weiterhin leer. 
Und so erwachte ich recht früh (für meine Verhältnisse) in einer wieder mal leeren Wohnung. Es fühlt sich albern an, die Badezimmertür abzuschließen, wenn keiner da ist, der hereinplatzen könnte. Im Großen und Ganzen könnte man sagen, dies ist meine erste eigene Wohnung.
Also wie bereits gesagt, ich ging ins Badezimmer, um mich zu duschen und das Wasser war eiskalt. Wir reden hier von arktischen Temperaturen! Vielleicht hat mein Geist-Mitbewohner das ganze heiße Wasser aufgebraucht oder so... Ich werde Nachforschungen anstellen und halte dich auf dem Laufenden!

Eine tapfere Eisdusche und viele viele viele unflätige Flüche später machte ich mutig auf zum Plaza Nueva. Denn für den heutigen Tag hatte ich einen Plan: ich ging zu meinem allerersten Erasmus-Treffen. Eigentlich alles kein Problem: Weg bei Google rausgesucht, Straßen abgelatscht, Platz gefunden. Aber dann fiel mir auf, dass ich keine Ahnung hatte, wonach ich eigentlich auf dem Plaza genau suchen sollte. Da waren so viele Menschen, einige in kleinen Gruppen. Und alle möglichen Nationalitäten waren vertreten. Woher sollte ich also wissen, welche Gruppe die richtige ist? Aber wie ich bereits im Kindergarten gelernt habe: Wer nicht fragt, bleibt dumm. Also ging ich mutig hin, fragte, ob die Personen auch wegen Erasmus-Treffen hier seien und bekam mehr als einmal ein "No" zu hören. So lernte ich eine weitere wichtige Lektion: Je mehr Leute du fragst, desto peinlicher wird es. Denn nicht nur war ich die erbärmliche Kreatur ohne Freunde, sondern blieb auch noch ohne Erfolg!¡Qué fiasco!
Schlussendlich habe ich die Erasmus-Truppe doch noch gefunden, aber peinlich blieb es trotzdem, denn ich war wie ein Bettler von Grüppchen zu Grüppchen getigert und der gesamte Platz hatte es beobachtet...

Aber immerhin war ich endlich richtig. Man begrüßte sich, tauschte so viele Namen aus, dass ich in Retrospektive kaum mehr als drei Personen korrekt benennen könnte und deswegen belasse ich es heute mal bei meinen drei Herzdamen:
Nummer 1 ist eine Mexikanerin, die gleichzeitig mein Namensvetter ist.
Nummer 2 ist eine Irin, die definitiv verwandt ist mit Paul McCartney, das weiß sie bloß noch nicht!
Und Nummer 3 ist eine Finnländerin, die ein wenig schüchtern in die Runde schaute.
Diese Drei haben mir definitiv den Tag versüßt!



Mit einer Gruppe von so grob 60 Leuten, die mittels Reisebus in die Sierra Nevada Region verfrachtet wurden, ging die Wanderung durch ein Dörfchen namens Monachil bis hin Hängebrücken, entlang an Felswänden und Abhängen, bis hin zu einer dunkelen Steinhöhle und abschließend an ein kleines Bächlein zur Entspannung. Eigentlich war dies wirklich der Hauptteil meines Tages, aber in der Beschreibung kommt er irgendwie zu kurz...






Na gut, dann versuche ich es nochmal:
Die Sonne prallte, aber wir liefen stramm weiter. Unser Weg führte uns durch staubige Täler und schmale Felswege. Die Hängebrücken wackelten bedrohlich und die wenigen Wasserstellen würden plötzlich zur Oase. Ich habe leichten Sonnenbrand auf der Brust und meine Füße und Beine schmerzen ein wenig, aber es hat sich echt gelohnt! Kennst du dieses Gefühl, wenn du erschöpft bist, aber es deinem Körper richtig gut tut? Und außerdem habe ich viele nette Leute kennengelernt und es fühlt sich nicht mehr so an, als wäre ich alleine. Diese Tour war wirklich ein gelungener zweiter Tag!
Ich meins ernst, wie hätte ich sonst Sightseeing und Freunde finden so einfach vereinen können?




Ich hoffe die Bilder erzählen die Geschichte besser als die Worte!

"I'm the King of the World!"
auch wenn es schwer zu erkennen ist, das Kreuz da, bin tatsächlich ich!

Mittwoch, 10. September 2014

The start of something new.

Liebes Toast,

Ich kann dir gar nicht sagen, wie nervenaufreibend dieser Tag begonnen hat und wie entsetzlich, ja nahezu erschreckend glatt er dann doch verlaufen ist...
Es begann alles zu einer ekelhaft frühen Uhrzeit...
Und ich rede nicht von den 4 Uhr früh zu denen ich aufstehen musste, sondern den 0Uhr früh, als ich merkte, dass ich das wichtigste von allem noch einpacken musste: meinen Laptop.
Aber die Feststellung wurde von dem Grauen überschattet, dass mein Koffer sich nicht mehr schließen lassen wollte... Und plötzlich alle Gegenstände sich querstellten.
Ich sags dir, so sehr habe ich noch nie gezetert und geflucht. Ich musste fast alles noch einmal rausräumen und milimeter genau einpacken und siehe da: Der Koffer ging mit viel Ruckeln, Ziehen, Ächzen und Friemeln endlich zu!
Ich ging zu Bett und konnte nicht schlafen. Ich ging im Kopf verzweifelt alle Dinge durch, ob ich nicht doch noch irgendwas vergessen hatte. Mir fiel nichts ein und ich fiel in einen traumlosen Schlaf, der sich wie zwei Sekunden anfühlte.

Mein Vater fuhr mich irgendwann gegen 5 Uhr zum Flughafen. Ich war so übermüdet... Er verabschiedete mich und ich saß einsam und allein am Flughafen fest. Die Schalter hatten noch nicht offen, mindestens vier verschiedene Leute durchsuchten die Mülleimer nach Pfandflaschen und jeder andere Reisende sah mich an, als wäre ich das verlorene Kind, das nach seiner Mami ruft. Ich gebe zu, dass ich vielleicht auch den Eindruck machte, immerhin saß ich ein wenig verloren da, vollbepackt und irgendwie von sentimentalen Gedanken überwältigt.



Ich hasse es, geliebte Menschen zurück zu lassen.
Ich hasse es, auf etwas zu warten.
Ich hasse dieses Ungewisse, was man sich selbst ausgesucht hat, aber mit dem man einfach nicht rational umgehen kann, bis man merkt, dass es gar nicht so ungewiss ist.

Ich flog nach Madrid und von da aus nach Granada. Im Flugzeug nach Granada saß ich neben einem deutschsprechenden Franzosen, der die Konversation nicht von Familienthemen ablenken wollte... Ich weiß nicht wieso, aber es brachte mich mega den Tränen nahe. Am liebsten hätte ich losgeheult, aber ich verkniff mir die Tränen und sagte mir, ich würde sie später noch brauchen, falls die Wohnung  miserabel sei oder die Mitbewohner seltsam oder falls ich überhaupt gar nicht wie abgemacht vom Flughafen in Granada abgeholt werde und erst recht verloren in einer fremden Stadt in einem fremden Land herumstehe.
 

Wie sich herausstellen sollte waren meine Sorgen unbegründet.
Ich wurde abgeholt, man unterhielt sich mit mir und auch wenn mein Spanisch eher mäßig war, so verstand der Fahrer mich und erzählte mir alle möglichen Dinge. Ich wurde in die Wohnung geführt, man zeigte mir mein Zimmer, man erklärte mir, wo in der Nähe alles so grob war. Das ist natürlich keine Garantie, dass ich mich zurecht finde....Aber es war ein herzlicher Empfang und ich fühlte mich lange nicht mehr so verloren. Kurz gesagt: Die Sonne strahlt in Granada!
 
Chips mit Jamón-Geschmack!


Jetzt wo ich ein wenig zur Ruhe komme, diesen Blogeintrag schreibe, auspacke, etc. kommt mir der Tag trotzdem etwas traurig vor. Ich habe noch keine Mitbewohner kennengelernt und mein Schampoo ist auf der Reise ausgelaufen... Der Kühlschrank ist so leer wie ich mich fühle, wenn ich daran denke, dass ich viele liebe Menschen zurück gelassen habe. Und die Wohnung ist so hellhörig, dass ich sogar hören kann, wenn in der Nebenwohnung die Karotten geschnitten werden.

Aber alles in allem, bin ich recht zufrieden. Dass ich erstmal ein Dach über dem Kopf habe, beweist, dass der erste Schritt getan ist. Alle weiteren folgen schon irgendwie.

Wie meine Mama immer zu sagen pflegt:

 Irgendwie geht es immer weiter.